9. Juni 2011
17. August 2010
Der silver market – ein globaler Wachstumsmarkt
Deutschland ist eines der Länder mit der ältesten Bevölkerung in Europa. In zwanzig Jahren wird bereits die Hälfte der Deutschen 50 Jahre und älter sein, jeder dritte davon älter als 60 Jahre. In Japan ist schon heute rund ein Viertel der Bevölkerung älter als 65 Jahre.
Der demographische Wandel verändert die Märkte – weltweit
Das Thema “demographischer Wandel” hat sich in Wirtschaft und Gesellschaft etabliert und statt dramatischer Untergangsszenarien werden heute vor allem die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Potentiale diskutiert. Die Seniorenwirtschaft hat sich als Silver Economy / Silver Market zu einem globalen Wachstumsmarkt entwickelt, der mittlerweile auch von der Börse als einer der wichtigsten Trends der nächsten Jahrzehnte bewertet wird.
Alters(selbst)bilder werden differenzierter
Die bisherige einseitige Fokussierung auf jüngere Zielgruppen hat dazu geführt, dass heute ein enormer Nachholbedarf an altersgerechten Produkten und Dienstleistungen herrscht. Gleichzeitig beginnen sich die Altersbilder in Wirtschaft und Gesellschaft zu verändern: Sie werden differenzierter, vielschichtiger und vor allem realistischer. Damit verliert das kalendarische Alter auch in der Zielgruppensegmentierung an Bedeutung zugunsten einer stärkeren Berücksichtigung der unterschiedlichen Lebensphasen und Lebensstile älterer Generationen. Damit einher geht auch eine Veränderung der Alters-Selbstbilder: Alt-Werden wird nicht mehr als eine, sondern als eine Vielzahl unterschiedlicher Lebensphasen gesehen, die bewusst geplant und gestaltet werden können. Daraus erwachsen neue Konsumbedürfnisse, deren ökonomisches Potential bisher nur wenige Anbieter erkannt und mit der Entwicklung und Vermarktung innovativer Produkte und Dienstleistungen ausgeschöpft haben.
Universal Design als Gestaltungsprinzip der Silver Economy
Die Marktforschung bietet heute eine reiche Fülle an Erkenntnissen und zeigt, dass die “Zielgruppe 50plus” sehr viel heterogener ist als jüngere Zielgruppen. Auf der einen Seite gewinnen Grundbedürfnisse wie Sicherheit, Selbständigkeit, Teilhabe, Mobilität und Gesundheit mit dem Alter an Bedeutung, auf der anderen Seite ist es gerade der Wunsch nach mehr Komfort und Einfachheit im Leben, der Ältere in vielen Segmenten zu Trendsettern werden lässt. In der Entwicklung von Produkten und Dienstleistungen hat sich daher der nutzerzentrierte, generationenübergreifende Ansatz durchgesetzt, der unter anderem im Universal Design sein gestalterisches Pendant findet.
2. März 2010
Mit einem Eröffnungsempfang für Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft startete am 18. Januar 2010 die Dialogreihe „ud-cologne: schön&praktisch“, mit der skdemographic und BestAge Consulting über die Potenziale des Universal Design bis zum Ende des Jahres anhand von Ausstellungen, Veranstaltungen und Expertengesprächen informieren wird. Ziel ist es, 2010 einen interdisziplinären Dialog zwischen Kreativarbeitern, Herstellern und Entscheidern aus Politik, Wissenschaft und Gesellschaft zu initiieren und den Wirtschafts- und Kreativstandort Köln in den bundesweiten und internationalen Diskurs über den demografischen Wandel einzubinden.
Vom 18.-24. Januar 2010 war die die Wanderausstellung des Internationalen Design Zentrum Berlin (IDZ) in Köln zu sehen. Mit der Einbindung in das offizielle Programm des Design-Festivals PASSAGEN 2010 wurde die vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und dem Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie im Rahmen der Initiative “Wirtschaftsfaktor Alter” geförderte Ausstellung in einen hochkarätigen Design-Kontext gestellt. Der große Erfolg der Ausstellung in Köln zeigte, dass es mit dem Passagen-Konzept gelungen ist, mit dem Thema auch jüngere Menschen anzsprechen: „Universal Design antwortet auf einen weltweiten generationen-übergreifenden Trend, der Nutzerfreundlichkeit, Nachhaltigkeit, Ästhetik und Inklusion verbindet“, so Christiane Schwager zu den Potenzialen des UD.
Offizieller Kooperationspartner der Ausstellung war die GALERIA Kaufhof GmbH, die mit zum Teil hauseigenen Produkten die Ausstellung des IDZ ergänzte. Als Erstunterzeichner und Mitinitiator der „Berliner Erklärung – Unternehmen gestalten den demografischen Wandel“ hatte das Handelsunternehmen bereits 2009 gemeinsam mit vier weiteren Unternehmen zentrale Ziele für eine aktive unternehmerische Gestaltung des demografischen Wandels unter Berücksichtigung der Potentiale und Interessen der älteren Generation formuliert. Kölns Wirtschaftsdezernent Dr. Walter-Borjans eröffnete vor rund siebzig geladenen Gästen die Ausstellung, in dem er die besondere Bedeutung der Kreativwirtschaft für die Stadt Köln hervorhob: “Auch wenn Köln eine immer noch wachsende und gemessen am Bundesdurchschnitt vergleichsweise junge Stadtbevölkerung hat, gilt auch für uns: Wir werden älter und (noch) bunter.“Die Bedeutung von Funktionalität und Design stellte Lovro Mandac, Vorsitzender der Geschäftsführung der GALERIA Kaufhof GmbH, in den Mittelpunkt seiner Ansprache: „Menschen, die mit 20 Jahren gerne ästhetisch schöne Produkte gekauft haben, werden das auch mit 40, 60 und 80 Jahren tun wollen.“
Ästhetik und Qualität standen auch im Mittelpunkt des engagierten Vortrags von Prof. Caster. Dekanin der Fakultät für Architektur der FH Köln: „Universal Design muss zu einem Gestaltungsanspruch heranreifen, der über die Qualität des Gestalteten den gesamten Markt erorbert.“ Damit wandte sich Caster gegen den Begriff der „Barrierefreiheit“, „weil er keinen Qualitätsanspruch behauptet. Denn dass etwas keine Barriere hat, heißt ja noch lange nicht, dass es auch wirklich gut ist.“ Eine Forderung, die sicherlich in den folgenden Tagen die meisten Besucher und Besucherinnen der Ausstellung unterstützt hätten.
Zwischen 1.500 und 1.800 Passagenbesucher nutzten die Gelegenheit, die Exponate anzusehen, auszuprobieren und mit den Veranstaltern zu diskutieren. Dabei zeigte sich, dass das Konzept, Universal Design aus dem Special-Interest-Bereich herauszuholen und in einen hochkarätigen Designkontext zu stellen, überzeugte. Rund 70 Prozent der Ausstellungsbesucher gehörten der Altergruppe 20 bis 40 Jahre an, darunter zahlreiche junge Designerinnen und Designer, die sich an Hand der vorgestellten Produkte und Konzepte von den Wachstumspotenziale und kreativen Gestaltungs-möglichkeiten des Universal Design beeindruckt zeigten.
Unter dem Motto „Universal Design – Verpasst die Kreativwirtschaft im Rheinland einen globalen Trend?“ diskutierte Klaus Strippel mit Iris Laubstein, Vorsitzende Verband Deutscher Industrie Designer e.V., Ioanna Paraskewa, Inhaberin der CONTAIN Gallery Köln und Konrad Peschen, Leiter der Stabstelle Medien der Stadt Köln, über Möglichkeiten, Universal Design in der Kreativwirtschaft besser zu verankern. „In den Schuhen des Kunden wandern” – Universal Design als Trend im Service- und Kommunikationsdesign?“, hieß die Frage, die Prof. Mager, Leiterin des Lehrgebiet “Service Design” am Fachbereich Design der FH Köln und Gründerin des Service Design-Forschungszentrums sedes research und Andrea Ferger-Heiter, Demographiebeauftragte GALERIA Kaufhof GmbH aufgriffen, um über innovative Dienstleistungen und Serviceangebote zu diskutieren. Einig waren sich die Teilnehmerinnen, dass sich eine klare Schnittmenge zwischen Universal Design und Service Design aufzeigt, die allerdings bisher wenig erforscht sei.
Auch mit dem Thema serious games betraten die Veranstalter Neuland im UD-Diskurs. Christiane Schwager eröffnete den Dialog mit Roland Weiniger, stv. Vorsitzender des KMU-Bundesverbandes der Kreativwirtschaft „KulturGilde“ über das Thema „Technische Lösungen für Herausforderungen der Zukunft – Universal Design als Innovationstreiber für IKT und Gesundheitswirtschaft“. Weiniger, Experte für Silver Games und Mitorganisator des Vorkongress zum 3.Ambient-Assisted-Living-Kongress, berichtete von aktuellen Trends im Serious-Games-Segment, das zunehmend auch ältere Zielgruppen in den Fokus stelle.
Am letzten Tag drehte sich dann alles um das Thema „Wohnen, wie ich will – flexible Wohnräume für jede Lebensphase!“. Michael Krumbe, Architekt und Experte für Generationenwohnen, stellte sein Erfolgs-Konzept „Wahlnachbarn“ vor und diskutierte mit Klaus Strippel und Gästen über die teilweise erheblichen Schwierigkeiten, trotz großer Nachfrage geeignete Wohnobjekte in der Kölner Innenstadt zu finden. Ein Thema, das auch in Hinblick auf Intelligent Homes und selbstbestimmtes Wohnen im Alter im ud-Dialog 2010 aufgegriffen wird.
Link: ud-cologne
8. Januar 2010